Zurück zum Start

So schön kann Ehrlichkeit sein | Mary Karr

8. November 2013 Posted by:

Mary Karr | Lit
Mary Karr | Lit

Die Dichterin und Memoirenschreiberin Mary Karr wurde 1955 in Texas geboren und wuchs dort auf. Die Autorin mehrerer viel gepriesener Gedichtbände (Abacus (1987), The Devil’s Tour (1993), Viper Rum (2001) und Sinners Welcome (2006)) hat ebenfalls eine Memoiren-Trilogie verfasst: The Liars‘ Club (1995, deutscher Titel Der Club der Lügner), Cherry (2001, deutscher Titel Lange Straßen, weite Meere) und Lit (2009, noch nicht auf Deutsch verlegt). Karrs Poesie und Prosa beinhalten häufig autobiografische Elemente, zu denen ihre Kindheit unter ärmlichsten Umständen, ihre drogenbehaftete Teenagerzeit, ihre gescheiterte Ehe und ihr Alkoholismus zählen, wie auch ihre darauffolgende Genesung und Bekehrung zum Katholizismus.

Trotz der Brutalität vieler ihrer behandelten Themen, wird Karrs Werk stetig für seine Lyrik und Schönheit gelobt. Bei der Besprechung von Karrs erstem Memoir, The Liars‘ Club, schrieb Michiko Kakutani (Literaturkritikerin der New York Times), dass „ihr stärkstes Werkzeug ihre Sprache ist, die sie mit einer Virtuosität sowohl einer lyrischen Dichterin als auch einer bodenständigen Texanerin handhabt. Sie benutzt diese Fertigkeit (…) im Dienste einer wunderbar unsentimentalen Vision, die die Vergangenheit noch während ihrer Entstehung auf dem Papier rehabilitiert.“ Karrs Poesie wird oftmals als „unsentimental“ und „schonungslos“ beschrieben, ob ihres Hervorrufens schmerzhafter Wahrheiten, nicht selten über die Autorin selbst.

Schriftsteller David Barber umschreibt Karrs Ton in ihrem zweiten Gedichtband The Devil’s Tour wie folgt: „Bekennend unsentimental gelingt es Karr, nicht durch das Beziehen einer übertrieben Position einer des Besseren belehrten Weisheit oder bürokratischen Missachtung für die Wirren der menschlichen Beziehungen zu überkompensieren… Sie bedient sich der maßvollen Klage einer Schriftstellerin, die sich stets auf die Seite der schmerzhaften Wahrheit gegenüber der des frommen Wunsches schlagen wird.“

The Liars‘ Club rekreiiert und reflektiert Karrs raue und oft traumatische Kindheit in einer von der Industrie geprägten Stadt in Ost-Texas. Es konzentriert sich primär auf Ereignisse zwischen 1961 und 1963, als Karr sieben – respektive acht – Jahre alt war, und beinhaltet die Grübeleien der erwachsenen Autorin bezüglich ihrer Vergangenheit und ihrer Familie.

Im Laufe ihres Werkes beschreibt Karr Geisteskrankheit, Gewalt, Vernachlässigung und Drogenmissbrauch. Ihre Mutter litt unter psychischer Instabilität. Ihr Vater war schwerer Alkoholiker und ein Geschichtenerzähler, ein Arbeiter in einer Ölraffinerie, der seine Freizeit in dem von den örtlichen Frauen als „Liars‘ Club“ betitelten Hinterzimmer des Ködergeschäftes verbrachte, wo sich die ortsansässigen Männer trafen um Seemannsgarn zu spinnen. Karrs neuere Memoiren, Cherry und Lit, folgen ihrer Geschichte in Jugend- und Erwachsenenalter. Ähnlich ihrer Prosa behandeln auch Karrs Gedichte ihre Vergangenheit. Sinners Welcome, wie auch das Memoir Lit, beinhalten meditative Gedichte über ihre Genesung vom Alkoholismus und ihren neu gefundenen, vielleicht überraschenden, Glauben.

Karrs Interesse an konkreter Sprache und tatsächlich erlebten Erfahrung ist weitgehend bekannt – Karr selbst schrieb über die Notwendigkeit der Poesie sich auf direkte, zugängliche Sprache zu gründen in ihrem Essay Against Decoration, welcher in ihrem Buch Viper Rum enthalten ist. Ellen Kaufman beschreibt im Library Journal die Gedichte in jenem Buch als „konfessionelles Schreiben, welches die physische Welt heraufbeschwört.“

Karr erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für ihr Werk, unter anderem Stipendien der Guggenheim Foundation, des National Endowment of the Arts und des Radcliffe College. Sie war Empfängerin des Pushkart Prize, des PEN/Martha Albrand Award und des Whiting Writer’s Award. Sie ist eine gefragte Dozentin, die Reden und Vorlesungen an bedeutenden Universitäten, Bibliotheken und dem Weil Cornell Medical College hielt, an dem sie 2011 für die Psychiatriefakultät vorlas. Mary Karr ist die Jesse Truesdell Peck Professorin für Literatur der Syracuse University.

Am 5. Juni 2012 veröffentlichten Grammy-Gewinner Rodney Crowell und Mary Karr das Album KIN, Songs by Mary Karr and Rodney Crowell auf Vanguard Records. Das von Joe Henry produzierte Album ist die erste Kollaboration der beiden und Karrs erster Schritt in die Welt der Musik. Die Songs werden interpretiert von bekannten Künstlern wie Norah Jones, Lucinda Williams, Rosanne Cash und Kris Kristofferson, aber auch von Rodney Crowell selbst.

Rodney Crowell: „I called out to her in the darkness because she was a bona fide poet I knew could write songs, and despite her professor’s pedigree, she’d ridden a bike in a mosquito truck’s fog.”

Mary Karr: „An outlaw pedigree isn’t always a disadvantage for a poet…this record’s about everybody.”

Einige Beispielsongs lassen sich auf Mary Karrs Homepage anhören.
http://www.marykarr.com/kin.php

KIN – promotional video with behind the scenes footage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.